Eine normale Solaranlage schaltet sich bei einem Stromausfall ab – auch bei Sonnenschein. Dieser Beitrag erklärt, warum das so ist, wie selten der Strom in der Schweiz ausfällt, was der Blackout in Spanien und Portugal gezeigt hat und wie Notstromsteckdose, Ersatzstrom und Inselbetrieb Ihr Haus im Ernstfall versorgen.

Viele Hausbesitzer gehen davon aus, dass ihre Solaranlage bei einem Stromausfall einfach ohne Weiteres weiterläuft. Das stimmt nicht: Eine normale Photovoltaikanlage schaltet sich bei einem Stromausfall direkt ab – auch wenn die Sonne scheint. Wer also im Ernstfall weiter Strom in seinem Haus haben will, braucht drei Dinge: einen Hybrid-Wechselrichter mit einer Notstromfunktion, einen Batteriespeicher und eine automatische Trennung vom Netz.
Dieser Blogbeitrag erklärt, warum das so ist, wie oft in der Schweiz überhaupt der Strom ausfällt, welche drei Lösungen dafür zur Verfügung stehen und was im Ernstfall realistisch weiterläuft.
Im Normalbetrieb orientiert sich der Wechselrichter am öffentlichen Netz: Dieses gibt ihm die Spannung und die Frequenz vor. Wenn das Netz ausfällt, verliert er diese Referenz und trennt sich innert Sekundenbruchteilen davon ab. Das ist gewollt und vorgeschrieben: Bei einem Stromausfall sind die betroffenen Leitungen spannungsfrei – darauf verlassen sich die Monteure des Netzbetreibers, die den Fehler beheben. Würde die Anlage weiter einspeisen, setzte sie diese Leitungen wieder unter Spannung, was lebensgefährlich wäre.
Die meisten Dachanlagen in der Schweiz sind reine Netzanlagen ohne eine Notstromfunktion. Das heisst: Auch wenn die Sonne scheint, bleibt es im Haus weiterhin dunkel – solange keine Technik vorhanden ist, die das Haus sicher vom Netz trennt und dazu eine Eigenversorgung aufbaut.
Selten. Laut Eidgenössischer Elektrizitätskommission (ElCom) war jeder Endverbraucher in der Schweiz im Jahr 2024 im Durchschnitt 21 Minuten ohne Strom – gezählt werden dabei ungeplante Unterbrüche von mehr als drei Minuten. Damit gehört die Schweiz zu den Ländern mit der höchsten Versorgungsqualität in ganz Europa.
Das bedeutet: Für die meisten Schweizer Haushalte ist der Notstrom keine Notwendigkeit, sondern eine Versicherung – für die seltenen Fälle, in denen ein Ausfall länger dauert. Das kann etwa nach einem schweren Unwetter, bei Arbeiten am Netz oder in einer Strommangellage vorkommen. Für bestimmte Haushalte ist sie mehr als nur das: wenn medizinische Geräte, ein Aquarium, eine Tiefkühltruhe mit Vorräten, ein Homeoffice oder die Heizung auf Strom angewiesen sind.
Am 28. April 2025 brach das Stromnetz auf der gesamten Iberischen Halbinsel zusammen – der schwerste Blackout in Europa seit rund 20 Jahren. In Portugal dauerte es bis kurz nach Mitternacht, in Spanien teils bis zum nächsten Morgen, bis die Versorgung wiederhergestellt war.
Kurz nach dem Ereignis wurde viel spekuliert: War es ein Cyberangriff oder «zu viel Solarstrom»? Der Abschlussbericht des Verbands der europäischen Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E) vom März 2026 kommt zu einem anderen Schluss: Der Auslöser war ein Zusammenspiel von mehreren Faktoren, darunter Lücken in der Spannungsregelung, Schwingungen im Netz und eine Kaskade von Kraftwerksabschaltungen. Die PV-Anlagen waren somit nicht der Auslöser – der Bericht empfiehlt vielmehr, dass sie künftig sogar aktiv zur Netzstabilisierung beitragen.
Die Lehre für Eigenheimbesitzer ist trotzdem klar: Auch in modernen Netzen sind grosse Stromausfälle über viele Stunden möglich. Die Schweizer Verhältnisse lassen sich nicht direkt übertragen – aber wer dafür vorsorgen will, kann es mit einer Photovoltaikanlage und einem Speicher tun.
Nicht jede Notstromlösung kann dasselbe. Grob lassen sich drei Stufen unterscheiden:
| Stufe | Was läuft weiter | Umschaltung |
|---|---|---|
| Notstromsteckdose | Einzelne Geräte an einer separaten Steckdose, meist einphasig bis rund 3 kW | manuell, Gerät umstecken |
| Ersatzstrom | Ausgewählte Stromkreise oder das ganze Hausnetz, auch nachts dank Speicher | automatisch, je nach System Millisekunden bis Sekunden |
| Inselbetrieb | Das Haus versorgt sich dauerhaft selbst, auch ohne Netzanschluss | entfällt – kein Netzbezug |
Die Kosten hängen von System, Speichergrösse und Hausinstallation ab; verbindlich ist eine konkrete Offerte. Was eine Anlage mit Speicher kostet, zeigt unser Beitrag zu den Kosten.
Die einfachste Variante: Der Wechselrichter stellt bei einem Stromausfall über eine eigene Steckdose Strom zur Verfügung. Der Kühlschrank, der Router oder der Laptop lassen sich so weiterhin betreiben. Ohne Speicher funktioniert das nur, wenn die Sonne scheint; mit Speicher auch am Abend. Vorteil: Es ist günstig. Nachteil: Die Geräte müssen jeweils umgesteckt werden, das restliche Haus bleibt dunkel.
Hier trennt eine Umschalteinrichtung das Haus bei einem Stromausfall automatisch vom Netz, und der Speicher versorgt die gewählten Stromkreise weiter – Licht, Kühlschrank, Heizungssteuerung, Internet. Je nach System geschieht das so schnell, dass Computer nicht einmal neu starten. Tagsüber lädt die Solaranlage den Speicher wieder nach. Für die meisten Einfamilienhäuser ist das die sinnvollste Lösung.
Beim Inselbetrieb versorgt sich das Gebäude vollständig selbst. Das lohnt sich vor allem dort, wo kein Netzanschluss vorhanden oder dieser zu teuer ist – etwa bei abgelegenen Alphütten. Für ein normales Einfamilienhaus im Mittelland ist er in der Regel nicht wirtschaftlich, weil Speicher und Anlage auf die dunkelsten Wintertage ausgelegt werden müssten.
Die entscheidende Grösse ist nicht die Photovoltaikanlage, sondern der Speicher. Ein Haushalt braucht im Grundbetrieb – Licht, Kühlschrank, Tiefkühler, Router, Heizungssteuerung – rund 400 bis 700 Watt. Ein Speicher mit 10 kWh reicht damit rechnerisch für 14 bis 25 Stunden. Scheint tagsüber die Sonne, lädt die Anlage ihn wieder auf, und die Versorgung kann über mehrere Tage aufrechterhalten werden.
Grenzen gibt es bei grossen Verbrauchern. Eine Wärmepumpe im Notbetrieb braucht eine hohe Dauerleistung und einen entsprechend grossen Speicher; Kochherd, Backofen und das Laden eines Elektroautos sind im Notstrombetrieb meist nicht sinnvoll. Und im Winter liefert die PV-Anlage deutlich weniger Strom, um den Speicher wieder aufzuladen. Bei der Planung sollten Sie deshalb festlegen, was im Ernstfall wirklich laufen muss – und das System dementsprechend dimensionieren.
Eine bestehende Anlage lässt sich in vielen Fällen notstromfähig machen. Drei Wege sind üblich:
Welcher Weg bei Ihrer PV-Anlage passt, hängt also vom Wechselrichter, vom Speicher und von der Hausinstallation ab. Das klären wir gerne vorgängig bei einer Besichtigung.
Ein PV-Speicher rechnet sich in erster Linie über den höheren Eigenverbrauch: Sie nutzen Ihren Solarstrom auch am Abend und kaufen weniger teuren Netzstrom ein. Die Notstromfunktion ist darauf ein vergleichsweise kleiner Aufpreis – wer ohnehin einen Speicher plant, sollte sie deshalb von Anfang an mit ins Konzept einplanen. Nachträglich ist sie meist teurer.
Dazu kommt: Bei bestehenden Gebäuden sind Solaranlage, Speicher und Notstromlösung noch bis Ende 2028 als energetische Massnahme steuerlich abziehbar. Was sich mit der Abschaffung des Eigenmietwerts ändert, zeigt unser Beitrag zur Eigenmietwert-Abschaffung.
Nein, eine normale netzgekoppelte Anlage schaltet sich sofort ab – auch wenn die Sonne scheint. Nur Photovoltaikanlagen mit einem Hybrid-Wechselrichter, einer Notstromfunktion und einer Netztrennung liefern im Ernstfall weiterhin Strom.
Bei einer Grundlast von 400 bis 700 Watt reicht ein 10-kWh-Speicher rechnerisch 14 bis 25 Stunden. Lädt die Solaranlage tagsüber nach, kann die Versorgung auch über mehrere Tage aufrechterhalten werden – im Winter allerdings deutlich eingeschränkt.
In vielen Fällen ja – über einen neuen Hybrid-Wechselrichter, einen zusätzlichen Speicher mit eigener Ersatzstromfunktion oder eine Umschaltbox. Was bei Ihrer Anlage möglich ist, hängt von Ihrem bestehenden Wechselrichter ab.
Nur mit einer leistungsstarken Ersatzstromlösung und einem entsprechend grossen Speicher. Bei den meisten Systemen werden deshalb nur die Heizungssteuerung und die Umwälzpumpen versorgt, nicht der Kompressor.
Nein. Bei 21 Minuten Ausfall pro Jahr im Schweizer Durchschnitt wäre das eine teure Versicherung. Ein Speicher lohnt sich über den höheren Eigenverbrauch – die Notstromfunktion ist ein sinnvoller Zusatz, wenn Sie ohnehin einen Speicher planen.
Sie planen eine Solaranlage mit Speicher oder möchten Ihre bestehende Anlage notstromfähig machen? Solaralag.ch klärt mit Ihnen, was im Ernstfall laufen soll, und dimensioniert Speicher und Umschaltung passend. Rechnen Sie in zwei Minuten durch, was eine Anlage auf Ihrem Dach kostet.
Zum SolarrechnerMehr zu StromspeichernTransparenzhinweis: Die Angaben in diesem Beitrag basieren auf öffentlich zugänglichen Quellen (u. a. ElCom, Bericht zur Stromversorgungsqualität 2024; ENTSO-E, Abschlussbericht zum Blackout vom 28. April 2025, März 2026) und eigener Projekterfahrung, Stand Oktober 2026. Massgeblich für Kosten und technische Ausführung ist eine konkrete Offerte. Trotz sorgfältiger Recherche übernehmen wir keine Gewähr und keine Haftung für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Angaben.
Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026